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Juventus: Die Lehren aus dem Horror-Start

Juventus: Die Lehren aus dem Horror-Start

Juventus lebt nicht nur von den jüngsten Erfolgen, sondern auch von Tradition. Spieler wie Michel Platini, Zinedine Zidane, Pavel Nedved und jüngst Alessandro Del Piero und Gianluigi Buffon machen den Klub zu dem, was er heute ist und was er am Sonntag zum Auftakt in der Serie A vermissen ließ.

Denn erstmals in der über ein Jahrhundert alten Geschichte der Alten Dame verlor man zum Auftakt vor heimischem Publikum. Nicht nur Massimiliano Allegri hat das zu verantworten, sondern die gesamte Mannschaft. Über weite Strecken fehlten Tempo und Leidenschaft, während die Gäste aus Udine auf ein uraltes Prinzip setzten und das Spiel dank einem einzigen Konter für sich entschieden.

Keine Schwarzmalerei, per favore!

Doch bevor alles Negative zur Sprache kommt, muss hervorgehoben werden, dass erst eine Partie gespielt ist. Juventus ist nicht die erste und nicht die letzte Mannschaft, die schlecht aus den Startlöchern kommt und am Ende der Saison Titel feiert. Den Norditalienern bleibt viel Zeit, um an den richtigen Schrauben zu drehen und bis zum Auftakt in der Champions League den richtigen Rhythmus zu finden.

Gerade jener Rhythmus fehlte gegen Udinese nämlich; was nicht zu erwarten war, zumal sich die Bianconeri in der italienischen Supercoppa souverän mit 2:0 gegen Lazio durchgesetzt hatten. Von dem Elan des letzten Finals war nichts mehr zu sehen, ganz im Gegenteil: Dem Rekordmeister mangelte es an Ideen, auch weil Claudio Marchisio weiter verletzt fehlt.

Juventus braucht einen echten Spielmacher

Auch ist fraglich, ob es Allegri gelingt, Paul Pogba an seine neue Position als Spielmacher zu gewöhnen. Fans fordern bereits einen kreativen Spielmacher, der auf der Zehn agieren kann, so dass der europaweit heißbegehrte Franzose zurück in das zentrale Mittelfeld rücken kann.

Italienischen Medienberichten zufolge arbeitet die Vereinsführung nach der Vorstellung vom Sonntag mit erhöhtem Druck an einer Alternative zu Julian Draxler und macht auch bei dem Schalker nochmal Ernst – die Anhänger der Bianconeri müssen sich also zumindest in dieser Hinsicht noch nicht sorgen.

Die Frage nach der Transferpolitik

Klubführung und Trainerteam müssen sich außerdem Fragen hinsichtlich der Transferpolitik gefallen lassen. Dass Andrea Pirlo und Carlos Tevez als Leistungsträger abgegeben wurden, ist zwar in gewissen Punkten verständlich; warum allerdings auch das Talent Domenico Berardi, das beim 2:1 gegen Sassuolo mit einem wundervollen Assist glänzte, für zehn Millionen Euro verscherbelt wurde, kann von Fans und Experten weniger nachvollzogen werden.

Viel geschehen ist bei Juventus auf dem Markt bislang nicht. Während andere Klubs bereits Wochen vor Saisonbeginn ihren Kader finalisieren, bleibt den Italienern nun knapp eine Woche, um auf den letzten Drücker noch Stars und Hoffnungsträger aus dem Hut zu zaubern.

Kein Frage, dass der Vereinsführung das vielleicht auch gelingen wird – aber ein verpatzter Saisonstart kann im Meisterschaftskampf wertvolle Punkte kosten und mindert so im schlimmsten Fall die Einnahmen für die kommende Spielzeit. Zum Ende der Transferphase steigen außerdem erfahrungsgemäß die Ablösesummen – Juventus verpulvert also gleich in doppeltem Sinne Millionen, wenn alles gegen sie läuft.

Eine Lehre für das nächste Jahr

Dem hätte man Vorbeugen können. Es wäre ein Leichtes gewesen, bereits im Juli auf allen Positionen entsprechend vorzusorgen, alleine schon mit Berardi, der in der Offensive alle Positionen besetzen kann. Ihn hätte man zur Not auch Ende August noch verkaufen können.

Für dieses Jahr ist es zu spät – was nicht heiß, dass Juventus keine erfolgreiche Saison spielt. Für kommenden Sommer muss die Alte Dame allerdings vorplanen, um nicht wieder Millionen in den Sand zu setzen. Das ist die große Lehre aus Vereinssicht.

Auf dem Feld werden die kommenden Wochen Antworten liefern. Juventus nach einem Spiel zu beurteilen, wäre töricht. Sollte Allegri seine Wunschspieler bekommen und die Fehler aus Spiel eins ausmerzen, könnte bereits am kommenden Sonntag beim AS Rom der erste Dreier der Saison winken.

Dazu muss der Klub in der ersten Woche der Wahrheit allerdings in allen Bereichen Fortschritte erzielen …

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