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Foto: imago Sportfotodienst/Calcio Total

Ballon d’Or: Italien chancenlos

Am heutigen Montag wird in Zürich der Ballon d’Or verliehen. Die Serie A spielt seit geraumer Zeit nur noch eine Nebenrolle, auch in der zuletzt von Spaniern dominierten Elf des Jahres. Die Gründe liegen auf der Hand.

Denn die italienische Liga spielt international kaum mehr eine Rolle und hat gegen die großen Klubs, die wieder und wieder die Kandidaten auf der Ballon-d’Or-Shortlist stellen, oft nicht den Hauch einer Chance.

Italiens letzter Champions-League-Vertreter Juventus Turin kann davon ein Lied singen. 2013/2014 schied der italienische Rekordmeister in der Gruppenphase aus, 2012/2013 war gegen den FC Bayern München Endstation. Die Superstars Paul Pogba, Arturo Vidal und Andrea Pirlo sind Jahr für Jahr nur wenige Monate im ganz großen Rampenlicht, während andere die Finals spielen.

Zuschauerschnitt Italien, Grafik

 

Die Superstars fliehen

Und so ist es wenig verwunderlich, dass die Stars fliehen. Die italienische Serie A hat an Attraktivität verloren. Der Zuschauerschnitt sinkt, die ganz großen Stars verlassen die Liga – ein Teufelskreis, dem man zwar langfristig mit dem Bau neuer Stadien entgegentreten will, der allerdings noch lange anhalten wird.

Im Gespräch mit Reuters fasste es Marco Giordani, Finanzchef der Fernsehsender-Gruppe Mediaset, treffend zusammen: „Die Verbraucherausgaben sinken, das verfügbare Einkommen sinkt, das Uefa-Ranking der italienischen Teams sinkt, die Anzahl der Teams in europäischen Wettbewerben sinkt, Topspieler verlassen Italien.“

Die Förderung bleibt aus, der Druck steigt

„Es gibt schon junge, interessante Spieler in Italien, nur haben viele große Klubs nicht den Mut, sie einzusetzen oder zu verpflichten“, erklärte Italien-Experte Oliver Birkner im Gespräch mit Calcio Total.

Die Förderung der Talente bleibt zumeist also aus. Angehende Stars wie Marco Verratti oder Ciro Immobile verlassen die Liga, um bessere Chancen zu haben – dabei wechseln sie im Ausland zu stärkeren Klubs, was die ausbleibende Talentförderung in Italien ad absurdum führt.

AC Mailand: Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht

Bleiben die Youngster in Italien, haben sie auch mit dem immensen Druck zu kämpfen. Stephan El Shaarawy, von Verletzungen geplagt, hatte nach seinem herausragenden Einstand große Schwierigkeiten, sich zurück in die Mannschaft zu kämpfen. Der hohe Druck lastete mit dem Abgang von Mario Balotelli umso mehr.

Gleiches gilt für Mattia De Sciglio, der in der anfälligen Defensive der Rossoneri als Hoffnungsträger gilt und dem Druck oftmals nicht Stand hält. Erst am vergangenen Wochenende holte er sich im Ligaspiel gegen Torino in der 45. Minute die rote Karte ab und avancierte zum Südenbock.

In dieser Hinsicht hat Roberto Mancini bei Inter Mailand mit den Verpflichtungen von Lukas Podolski und Xherdan Shaqiri alles richtig gemacht: Kroatien-Youngster Mateo Kovacic ist nun nicht mehr der Heilsbringer, der die Mannschaft im Alleingang in die Champions League führen muss. Die Verantwortung ist verteilt.

Hat Pogba in Italien eine Chance?

Paul Pogba bekommt bei Juventus zwar seine Einsatzzeit, hat im Duell mit den Größen Europas allerdings oftmals das Nachsehen. In Italien misst man sich derzeit nicht mit den Besten der Besten, was die Aufeinandertreffen in Champions League und Europa League zu einem schwierigen Unterfangen werden lässt.

In Italien tritt man dieser Problematik entgegen, doch der Bau neuer Stadien, ein überarbeitetes Jugendförderungssystem und eine erholte Wirtschaft brauchen ihre Zeit. In naher Zukunft wird das Land, das einst den Fußball prägte, weiter hinter den großen Ligen anstehen.

Und so ist Paul Pogba trotz seiner Vertragsverlängerung in Europa heißbegehrt. Denn in der Serie A hat der 21-jährige Nationalspieler nur mit einem immensen Kraftakt der Bianconeri eine Chance auf die Trophäe, mit der jeder große Fußballer sich rühmen möchte – den Ballon d’Or.

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